13. Oktober 2026
Cherubinis „Medea“ an der Met – Sonya Yoncheva als Frau im Rachetaumel
Mit Luigi Cherubinis Medea setzt die Metropolitan Opera auf eine Tragödie zwischen verletzter Liebe, politischem Machtanspruch und maßloser Vergeltung. Sonya Yoncheva gestaltet die Titelrolle in David McVicars Inszenierung, Carlo Rizzi steht am Pult. Die Wiederaufnahme zeigt ein Werk, dessen dramatische Wucht weit über den antiken Mythos hinausreicht.

Mainz/New York - Medea hat für Jason ihre Heimat verlassen und ihm geholfen, das Goldene Vlies zu gewinnen. In Korinth muss sie erleben, dass ihr Mann sich von ihr abwendet und Glauce, die Tochter des Königs Kreon, heiraten will. Aus der Zurückweisung wächst ein Racheplan, der schließlich auch die gemeinsamen Kinder trifft. Luigi Cherubini formt daraus ein psychologisch zugespitztes Musikdrama: Medeas verletzte Liebe schlägt in eine Gewalt um, die auch sie selbst vernichtet.
An der Metropolitan Opera übernimmt Sonya Yoncheva die Titelrolle in der ersten Wiederaufnahme von David McVicars Inszenierung aus dem Jahr 2022. Die Partie verlangt eine Sängerin, die zwischen verletzlicher Klage, kalkulierter Konfrontation und eruptiver Wut wechseln kann. Cherubinis Musik gibt Medea dafür weiten dramatischen Raum. In den Begegnungen mit Jason prallen persönliche Kränkung und entschlossene Anklage aufeinander; im dritten Akt wird die Nähe zu den Kindern zum letzten Gegenpol ihrer Rache. Gerade Medeas Zögern verschärft die Tragödie: Sie kennt die Folgen ihres Handelns und entscheidet sich dennoch für die Tat.
Michael Spyres singt Jason, Elena Villalón dessen neue Braut Glauce. Victoria Karkacheva übernimmt die Partie der Neris, Medeas Vertrauter, Alexandros Stavrakakis ist als Kreon zu erleben. Carlo Rizzi dirigiert die Aufführungen. Die Besetzung stellt neben der Konfrontation zwischen Medea und Jason auch die politische Ordnung Korinths heraus, in der die private Trennung zur Machtfrage wird.
Cherubinis 1797 in Paris uraufgeführte französische Oper verbindet die dramatische Architektur des späten 18. Jahrhunderts mit einer emotionalen Intensität, die auf das Musikdrama des 19. Jahrhunderts vorausweist. Ludwig van Beethoven schätzte Cherubini; international bekannt wurde Medea später vor allem durch Maria Callas, deren Interpretationen die Oper im 20. Jahrhundert ins Repertoire zurückführten.
Mit Yoncheva kehrt das Werk nun in McVicars Inszenierung an die Met zurück. Im Zentrum steht eine Frau, die sich von ihrem Mann und der Gesellschaft ausgestoßen sieht und ihre Ohnmacht in radikale Vergeltung verwandelt. Cherubinis Musik zeichnet dabei keine einfache Täterfigur, sondern eine tragische Persönlichkeit, deren Schmerz die Grenze zur Ungeheuerlichkeit überschreitet.

